FUNDGESCHICHTEN

Einige der spannenden Fundgeschichten aus unserem neuen D-MAX Buch: "Schatzsuche für echte Kerle
 

 
Der Hort
 
Manchmal ist das Leben ungnädig. Ein Schlaganfall hat den alten Rechtanwalt in der Küche dahingerafft. Seine Frau leidet an Alzheimer und ist im Altenheim. Niemand vor Ort der den Notarzt rufen könnte. Der alte Mann verstirbt auf dem Küchenboden seiner Villa.
Im Nachlass findet der Sohn Kaufbelege für Goldmünzen. Mehr als 60 Stück hat der Vater gekauft wie die Papiere ausweisen. Im Nachlass finden sich aber keine Goldmünzen. Der Vater hat früher gelegentlich von seinen versteckten Notgroschen gesprochen, aber wie Kinder so sind, hat der Sohn nur mit einem Ohr zugehört und sich nicht weiter erkundigt. Die Mutter kann nicht mehr befragt werden und lebt völlig in der Vergangenheit. Der Sohn ist dem Beruf gefolgt und lebt nicht mehr in der Stadt. Aber er würde das nun leerstehende Haus gerne vermieten. Nur könnten ja noch irgendwo die Goldstücke versteckt sein. Er wäre ziemlich verärgert wenn der neue Mieter den Notgroschen des Vaters finden würde.
 
Also klingelt wieder das Telefon bei uns. "Können sie...?" Wir können und fahren bepackt mit Ausrüstung zur angegebenen Adresse. Eine Villa aus den Achtzigern in der Vorstadt. Mittelgrosser Garten, wenig Gehölz. Der Erbe weist uns ein und wir machen uns ein Bild der Situation. Grundsätzlich glauben wir nicht an ein Gartenversteck. Die Nachbarn hätten die Grabungsaktionen bequem beobachten können und eventuell Fragen gestellt. Viel einfacher anzulegen ist hier ein Versteck im Haus. Betonzwischendecken und gemauerte Ziegelwände. Die Ziegelwände machen den Einsatz der Wärmebildkamera sinnvoll. Wir heizen das Haus auf Dschungeltemperatur auf und lassen über Nacht die Wärme in die Wände kriechen. Am kühlen Morgen reissen wir Türen und Fenster auf und filmen die Wände mit der Wärmebildkamera ab. Eine Enttäuschung. Nichts weist auf einen eingemauerten Tresor oder ein Goldversteck hin. Also her mit den Detektoren. Doch in Boden- und Deckennähe pfeiffen die Detektoren wie ein Feueralarm. Was ist da los? Es stellt sich heraus dass die Zwischendecken des Hauses betoniert sind. In dem Beton sind Armierungsmatten eingelegt worden. Damals war das Eisen als Rostschutz noch solide verzinkt worden. Diese Verzinkung macht die Suche im Boden und Deckenbereich für die Detektoren unmöglich. Also suchen wir nur im mittleren Bereich der Wände. Wir durchsuchen den Kriechboden, den Keller, die Kamine, einen offenen Kamin im Wohnzimmer, aber nichts tut sich. Es ist zum Mäusemelken. Wenn etwas da ist dann müsste es in oder im Bereich der Decke oder der Böden liegen. Dort können wir nicht mit den Detektoren suchen denn der Armierungsstahl stört den Detektor. Andererseits wird wohl niemand ein Versteck im massiven Beton der Zwischendecken anlegen, wenn er auch die weicheren Ziegelwände dafür nutzen kann. Auch der Versuch mit den UV Flutern enthüllt uns keine bearbeiteten Wände oder sonstige Verstecke. Unsere letzte Hoffnung eine holzverkleidete Ständerwand im Keller geht verloren als wir mit dem Endoskop dahinter spähen.
Wir sind ratlos und besprechen uns in der Eingangshalle.
Auf den Marmorboden legen wir zehn zwei Euro Münzen auf einen Stapel um eine Vorstellung vom Volumen des Schatzes zu bekommen. Das mal sechs. Etwas grösser als eine Zigarettenschachtel. Jeder überlegt fieberhaft. Plötzlich fällt dem Sohn etwas ein: Vater hatte einen Spazierstock. "Manchmal" so erzählt er uns, "wenn wir als Kinder ausgingen hat er an die Kehrleisten hier geschlagen und behauptet das bringt Glück" Alle drei mustern wir die Marmorkehrleisten die sich 15 cm die Wand hochziehen. Probieren wir es. Aber wie, die Detektoren lassen sich in der Nähe der Zwischendecke nicht einsetzen. Die Kehrleisten herunterreissen? "Besser nicht gleich den Abbruchhammer" meint Jürgen. "Wir klopfen mal mit einem Schraubenziehergriff ob ein hohler Klang auftritt." Gesagt getan und tatsächlich, einige der Kehrleisten klingen hohl. Wir beschliessen oberhalb der Kehrleiste schräg durch die Wand anzubohren, denn wäre dahinter ein Hohlraum würden wir mit dem Bohrer einsacken. Ausserdem lassen sich die 10 mm Löcher für das Endoskop nutzen. Die ersten beiden Bohrungen gehen in den massiven Ziegel, aber an der dritten Bohrung sackt der Bohrer plötzlich weg. Ein Hohlraum! Das Goldfieber bricht aus, als wir mit dem kleinen Pinpointer tatsächlich Metall orten. Vergiss das Endoskop, sofort wird die Kehrleiste abgestemmt und tatsächlich, staubiges Münzgold glänzt aus dem Versteck. 32 Goldmünzen, spanische Goldpesos, Krügerrand und 20 Goldmarkstücke stehen in Stapeln darin. Die Begeisterung ist riesig. Vielleicht sind ja die fehlenden 28 Stück hinter einer der weiteren hohl klingenden Stellen? Wir bohren noch sechs mögliche Verstecke an, aber das Schatzsucherglück hat uns verlassen, wir stossen nur auf massiven Ziegel. Keine grösseren Hohlräume dahinter. Vielleicht hat der Vater die Münzen auch zu Geld gemacht? Oder doch woanders versteckt? Jedenfalls fahren wir mit unserem Anteil von drei Goldmünzen, zwei dünne, aber güldene Maria Theresia Taler und ein Krügerrand abends sehr zufrieden nach Hause.
 
    
Das Keltenmesser
 
Der Hüttensegen im Langhaus hing richtig schief. Junior hatte seinen ersten erlegten Hasen nach Hause gebracht, gehäutet und ausgenommen. Er hatte das Tier mit Pfeil und Bogen geschossen und vor Ort den wohlgenährten Körper enthäutet und zerlegt. Die Familie würde sich über das Fleisch am Esstisch freuen. Vater hatte ihm dazu das wertvolle, rasiermesserscharfe Bronzemesser mit gegeben und sich mehrmals versichern lassen der Sohn würde auf das Messer acht geben. Doch jetzt war es verschwunden. Beim Ausweiden war es noch benutzt worden. Im Haus nicht mehr am Gürtel. Verloren auf dem Rückweg. Der Sohn war den verkrauteten Rückweg durch das dichte Unterholz den ganzen Nachmittag abgelaufen, aber das wertvolle Messer blieb verschwunden. Der Vater tobte. Verständlich, den 2000 vor Christus war ein Bronzemesser neben einem Bronzebeil eines der wertvollsten Besitztümer eines Mannes. Es erleichterte ungemein das Zerlegen von erlegten Tieren, war beim Zuschneiden der Felle unersetzlich, würde in Haus und Hof für mannigfaltige Aufgaben verwendet und war gegen aggressive Tiere eine wirksame Verteidigungswaffe. Und nun war es weg. Die Familie würde lange arbeiten müssen um sich ein neues Messer leisten zu können.
 
Unglaublich. Es sollte eigentlich nur ein kurzes Spasssondeln werden. Runter von der Autobahn und die Beine vertreten, bevor die nächsten hundert Kilometer gefressen werden. Der Detektor ist immer im Auto dabei. Mitten im Nirgendwo, in den dichten Wäldern um Nürnberg schlägt jetzt das Gerät an und nach kurzem Graben gibt der Boden eine Messerklinge frei. Ein oberflächlicher Blick lässt eine Klappmesserklinge vermuten, insbesondere da ein Bolzenloch im hinteren Bereich wie die Aufnahme eines Griffstücks erschien, ähnlich einem der berühmten Schweizer Offiziersmesser. Es landet im Schrottbeutel. Wieder auf der Autobahn steigen Zweifel auf. Stutzig macht das Fehlen jeglichen Rosts. Selbst eine hochwertige Edelstahlklinge würde nach ein paar Jahren im Erdreich grindige Roststellen aufweisen. Doch hier kein Krümel Rost, nur grünliche Patina. Moment, Patina in Grün, das heißt ja Kupfer oder Bronze. Das Messer wird vom Schrottbeutel in den Fundbeutel gepackt und Zuhause genauer untersucht. Form, Material und Farbe lassen nach einem ersten Forencheck nur eine, den Kreislauf beschleunigende, Deutung zu: Ein keltisches Bronzemesser. Das Bolzenloch erweist sich als Nietenbefestigung des Griffstücks. Und wunderschön erhalten. 
Die weitere Recherche fördert sogar den Typ des Messers zutage. Meist werden diese Messer nach dem erstmaligen Fundort benannt. Das war der Riegsee im bayerischen Oberland. Eine Bronzeklinge Typ Riegsee mit der charakteristischen Nase an der Klingenspitze. Ein herrlicher Fund und eine spannende Reise in die Vergangenheit.
 
    
Asse und Sesterzen
 
Die Villa Rustica liegt malerisch am Hang. Eigentlich ist es ja keine Villa, sondern ein kleiner Dorfkern. Um das Haupthaus der Familie Flavia haben sich die Leibeigenen, Sklaven und Freie langesiedelt und bewirtschaften, gemeinsam mit der römischen Familie, den Hof. Pferdeherden grasen auf den Wiesen, Hafer wird angebaut und in der Schmiede ausserhalb werden die landwirtschaftlichen Geräte gegossen. 
Doch die Idylle trügt. Seit Jahren befindet sich das römische Weltreich in Auflösung. Marodierende Keltenbanden überfallen die einsam gelegenen Höfe, morden und plündern. Die Familie hat vorgesorgt. Reisewagen und frische Pferde stehen bereit um bei Gefahr in das nächste römische Feldlager zu flüchten. Wertgegenstände sind verpackt und verladen. Irgendwann ist es dann soweit. Einige loyale Kelten berichten ein Überfall werde vorbereitet. 
Die Familie verlässt das Landgut hastig. Sie sollten nie mehr zurück kehren. Einheimische und Bauern flüchten in die Wälder als die keltischen Krieger, nackt und aneinander gebunden und bereit zum Kampf aus dem Wald stürmen. Verblüfft stellen sie keine Gegenwehr fest. Die Villa und die verhassten römischen Gebäude werden geplündert und in Brand gesteckt. 
Einer der keltischen Bauern hat einige römische Münzen gehortet und Angst dass diese von den wilden Gestalten bei ihm entdeckt werden. Das würde ihm als Römerfreund einen grausamen Tod einbringen. Er vergräbt die paar Münzen in der Nähe der niedergebrannten Schmiede im Wald. 
 
1700 Jahr später: Der Laubwald ist licht. Herbstlaub bedeckt modernd den Boden und die Bäume leuchten in bunter Pracht. Wir haben auf dem Denkmalviewer den Abstand zum Bodendenkmal, der ehemaligen Villa Rustica, gecheckt und halten noch einen Sicherheitsabstand ein. Von der Villa ist sowieso nichts mehr zu sehen, ein Acker deckt die evtl.  vorhandenen Grundmauern zu. Trotz des ausreichenden Abstandes können sich die Funde sehen lassen. Alte römische Nägel, Tonscherben, eine rostverbackene Kette, undefinierbare Werkzeugreste, Keramikbruchstücke mit der berühmten Terra Sigilata Glasierung. Das ganze in einer Brandschicht eingebettet. Noch ein Stückchen tiefer im Wald meldet sich der Detektor. Am Ton erkennen wir sofort Buntmetall. Kupfer oder Bronze tippt Florian. Und Recht hat er. 17 Münzen tauchen aus der Erde auf. Vorsichtig wird die anhaftende Erde mit einer weichen Zahnbürste entfernt. Und schon erkennen wir ein Lorbeerbekränztes Kaiserabbild aus römischer Zeit. Ein Römerhort mit einigen Denaren, einigen Sesterzen und ein paar Assen tritt zutage. Eigentlich kein grosser Wert, heute um die 80 Euro Kaufkraft. In einer Zeit ohne Bankkarte und Kreditkarten zu gering um einem Römer zugeordnet zu werden. Woher kamen die Münzen? Und wieder hilft das www. Auch die keltischen Arbeiter und Bauern der Römer horteten Münzen. Zwar präferierten sie den Tauschhandel untereinander,  um aber römische Produkte wie Wein oder Olivenöl zu erwerben, benötigten sie auch römisches Geld. Damit ist die geringe Summe erklärt. Ein Leibeigenener oder Bauer hat hier unserer Meinung nach seine römischen Geldmittel versteckt. 
Ob es sich aber so wie wir es in unserer Phantasie ausmalen zugetragen hat, werden wir nie erfahren.
 
    
Ordensfund
 
Krachend reisst der Bagger den Dachstuhl auseinander. Das alte Haus wurde für die olympischen Winterspiele 1936 gebaut und sollte den Funktionären als Wohnung dienen. Danach wurden die Gebäude Heimat für Soldatenfamilien des dritten Reiches. Jetzt muss es einem Neubau weichen. Weiter zieht der Greifer Balken aus dem Gebäude und sortiert diese auf dem Stapel des Abrissholzes. In einer Staubwolke stürzt eine Wand ein. 
Abrissgebäude ziehen uns magisch an. Seitdem wir in Chemnitz in einer alten Fabrikantenvilla die Treppenaufgänge durchsucht haben. Das herrschaftliche Haus gehörte einem jüdischen Tuchfabrikanten der von den Nazis in ein Konzentrationslager geschickt wurde und dort umkam. Dort tauchten in den Hohlkehlen der grossen Treppensstufen, Spinnweben ummantelt und Motten zerfressen wertvolle Stoffrollen auf. Seidenstoffe und Brokat waren inin d Treppenstufen versteckt worden in der Hoffnung diese vor dem Zugriff der gierigen Nazis zu schützen. 
Deshalb stehen wir auch heute neben dem Bagger und begutachten den Schutt in der Hoffnung auf ein Versteck. Und wir haben richtig vermutet. Plötzlich plumpst eine Blechdose aus einem Zwischenboden. Der Baggerfahrer hat das kleine Teil fallen sehen und stoppt die Maschine. Wir klettern auf den Schutthaufen und bergen die Metalldose. Gemeinsam hebeln wir die Dose auf und Orden purzeln uns entgegen. Nahkampfspange, Eisernes Kreuz, Gefrierfleischorden. Das Vermächtnis eines Soldaten. Man sieht, er war in Russland als Infantrist eingesetzt. Was mag er dort alles erlebt haben? Leider liegen keine Urkunden, die eine Identifizierung ermöglichen würden bei. Sonst könnten wir noch Erben ausfindig machen, denen sicherlich die Auszeichnungen des Vaters am Herz liegen würden.
 
 
Orden vom goldenen Vlies
 
Völlig rätselhaft ist uns dieser Fund. An einer Hütte weit weg von aller Zivilisation, in den Berchtesgadener Alpen, meldet sich der Detektor. Kupfer wohl, aber etwas unrein. Was wir ausgraben ist einmalig. Ein Anhänger Handtellergross. Aus Kupfer mit den Resten einer goldenen Beschichtung. Deutlich erkennbar ist ein in der Mitte aufgehängten Schaf. Es stellt sich heraus, das Schaf ist kein Schaf sondern ein Schaffell, ein Vlies. Und der Anhänger ist kein Anhänger sondern ein Teil eines Ordens. Der Anhänger stammt vom Orden des goldenen Vlieses. 
 
Wikipedia meint hierzu: 
Der Orden vom Goldenen Vlies ist ein 1430 gegründeter Ritterorden, also eine nach dem Vorbild der Mönchsorden gebildete Gemeinschaft von Rittern. Später wurde eine Zugehörigkeit immer mehr zu einem vom Kaiser verliehenen Privileg als Belohnung für Verdienste. Das Ordensabzeichen, ein an einer Collane hängendes goldenes Widderfell, erhielt selbständige Bedeutung und wurde zum Urbild des modernen Verdienstordens. 
Woher stammt aber dieser Anhänger mitten in den Bergen. Nach einiger Recherche stossen  wir auf eine Gesellschaft des Ordens des goldenen Vlieses in New York. Dort sollen auch alle Ordensträger aufgeführt sein. Die müssten ja wissen wenn einer der Orden verloren gegangen wäre spekulieren wir. Eine Mail wird formuliert. Wir hoffen die Gesellschaft des Orden des goldenen Vlieses kann uns Auskunft über unseren Fund geben. Aber vermutlich ist unser royaler Status keine Auskunft wert. Wir erhalten keine Antwort auf unsere Anfrage. 
 
Möglicherweise ist aber auch unser Fund nicht original. Zwischenzeitlich finden wir heraus dass der Anhänger des goldenen Vlieses im Mittelalter ein beliebter Glücksbringer war, insbesondere an Hochzeitsgürteln war er befestigt worden als Symbol für eine finanziell gesicherte Zukunft. Nur ein Schmuckstück? Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist jedoch die wertvolle Vergoldung. Möglicherweise doch ein Teil des Ordens? Wir müssen weiter recherchieren.
 
    
Rucksack Eschenlaine
 
Knatternd zieht der Hubschrauber der Bergwacht den Retter und die erschöpfte Bergwanderin an Bord. Ein kurzes Winken und der kanariengelbe Luftretter fliegt aus dem engen Tal Richtung Unfallklinik. 
Einige Stunde vorher waren wir gut gelaunt über die Klammbrücke gelaufen. Immer wieder ist die wilde Szenerie des Klammbaches und der Blick auf den gischtenden dreissig Meter hohen Wasserfall ein beeindruckendes Bild der Naturgewalten. Wir planen, auf der Jagd nach Reichsbankgold, in die Klamm einzusteigen und machen heute den Location Check. Plötzlich stutzt Karsten: "Da drüben sitzt jemand." Tatsächlich klammert sich im Steilhang auf der anderen Klammseite eine Frau an einen dünnen Birkenschössling. Nur wenige Meter unter ihr bricht der Steilhang ab und der gähnende Schlund der Klamm öffnet sich. Tief unter rauscht dumpf der Klammbach. Gäbe der verkrüppelte Schössling nach würde die Frau rettungslos in die Klamm stürzen.
Seltsamerweise sitzt die Frau dort, sagt keinen Ton, umklammert den Baum und sieht uns nur verzweifelt an. Karsten ruft sie an: "Brauchen Sie Hilfe?" Die Frau nickt, rutscht ein Stück tiefer, und wir sehen dass sie völlig entkräftet ist. Da ist Not am Manne. Wir holen sofort die Bergseile aus den Rucksäcken, überqueren flussaufwärts die Klamm und versuchen die Frau von oben zu erreichen. Umsonst, das Lainengras ist feucht und rutschig und wir laufen selbst Gefahr in die Klamm abzurutschen. Ein Anruf bei der Bergwacht lässt  nach einer halben Stunde die Profis im Geländewagen auftauchen. Aber auch ihnen ist der Überstieg zu gefährlich und der Rettungshubschrauber wird angefordert. Nach zehn Minuten ist er vor Ort und ein junger Bergwachtler hievt die Frau im Bergegeschirr an Bord.
 
Drei Tage später klingelt das Telefon. Sie sei die Gerettete erklärt die Stimme und möchte uns danken. Die Bergwacht hätte ihr erzählt wir würden in den Canyon einsteigen. Könnten wir bei der Gelegenheit nach ihrem Rucksack Ausschau halten? Der war ihr in die Klamm gestürzt als sie das Handy heraus holen wollte. Für das Handy hätte sie keine Hoffnung aber da wäre noch der Geldbeutel mit den Ausweisen und der Autoschlüssel darin.
Klar, beruhigen wir wir halten Ausschau. Erst drei Wochen später lässt der Wasserstand den Besuch der Klamm zu. Mit Canyoning Ausrüstung durchschwimmen wir tiefe Gumpen, in denen sich Forellen an die Felswand  drücken, klettern über angeschwemmte  Holzverhaue, werden fast von einem Steinschlag dahin gerafft und kämpfen uns durch bis unter die Klammbrücke. 
Die Unterwasserdetektoren spielen fast verrückt. Alles voll Metall. Schrauben, Schienenstücke, Eisenstangen und ab und an etwas Wehrmachtsschrott. Unter der Brücke sehen wir die Ursache. Die alte Klammbrücke wurde als Metallschrott einfach in die tiefe Gumpe geworfen und hat sich dort langsam zerlegt.
Den Rucksack der verirrten Bergwanderung haben wir nicht gefunden, der würde sicherlich bei den Regenfällen in den Wochen vor unserem Besuch in den Fluss  ausgeschwemmt und ist jetzt schon unterwegs in Richtung Schwarzes Meer.
 
    
Der Silberschatz des Kreuzfahrers
    
Gisbert war erschöpft. Die Woche Reiten hatte ihn ausgelaugt. Außerdem plagten ihn wieder die Krätze aus dem Gasthof bei Bamberg und seine Zahnschmerzen. Er hätte sich doch nicht mit der grindigen Hure, die des Nachts in sein stinkendes Strohlager gekrochen kam, seine Schlafnachbarn zur Seite schob, und sich auf ihm ihren Heller verdiente, einlassen sollen. Andererseits war es nur noch ein halber Tagesritt bis nach Nürnberg, wo der Kreuzzug in der nächsten Zeit eintreffen sollte. Gisberts Stimmung hob sich, als er an das Ziel der Reise dachte.
"Deus lo vult! Gott will es!" So hatte es der Bote des Bischofs den atemlos Lauschenden auf der kleinen Burg zugerufen. "Der Papst will, dass Jerusalem, die heiligste aller Städte, von den Ungläubigen befreit wird!" Gisbert war Feuer und Flamme. Er würde in den heiligen Krieg ziehen und ewige Glückseligkeit erlangen, indem er Ungläubige töte. Auch seine Familie war begeistert: eine heilige Mission und ein Esser weniger am Tisch. Heutzutage würde man von einer Win-Win-Situation sprechen.
Gisbert tagträumte von seinen bevorstehenden, glorreichen Heldentaten auf den Zinnen Jerusalems, als er im dichten Unterholz, das an den schlammigen Weg angrenzte, eine Bewegung wahrnahm. Zwei bewaffnete Männer traten aus dem Dickicht heraus, einer richtete mit gespanntem Bogen einen Pfeil auf ihn. "Her mit dem Geld!", rief der andere, der einen Panzerstecher in Angriffsstellung hielt. Räuber! Ein schneller Blick über die Schulter zeigte, dass auch hinter ihm zwei bewaffnete Männer auf den Weg getreten waren. Gisbert träumte zwar gerne von Heldentaten, aber vier Gegner auf einmal waren einfach zu viel. Also riss er den alten Klepper, den ihm sein Vater als stolzes Kriegsross mitgegeben hatte, nach links und gab ihm die Sporen. Das Pferd wieherte überrascht, verdrehte die Augen und sprang mit einem großen Satz in den dichten Wald. Es galoppierte durch die engstehenden Bäume und Gisbert musste sich ducken, um nicht von einem der tiefhängenden Äste aus dem Sattel gefegt zu werden.
Nach einiger Zeit hielt er das schweißdampfende Ross an und horchte auf Anzeichen der Verfolger. Nichts war zu hören, nur die Waldgeräusche umgaben ihn. Erleichtert wollte Gisbert weiterreiten, als sein Blick auf einen gerissenen Sattelgurt fiel. Offensichtlich zertrennt von einem der peitschenden Äste beim Durchbruch durch das Unterholz. Seine Schlafdecke und die darin eingewickelte Börse waren weg. Gisbert überlegte kurz auf den deutlich sichtbaren Spuren seines Pferdes zurück zu reiten, um die Geldkatze zu suchen. Jedoch hielten sich die Räuber sicherlich noch im Wald auf und bei einem zweiten Treffen würden diese zuerst schießen und dann sein Geld nehmen. So gab er dieses Vorhaben auf.
Er ärgerte sich sehr über den Verlust, denn in der Börse war sein ganzes Kleingeld für die weite Reise untergebracht. Die großen Silber- und einige Goldmünzen hatte er sicher am Körper verwahrt. Die Haller Heller und die Regensburger Pfennige, mit denen er täglich Speis und Übernachtung begleichen wollte, hatte er jedoch in der verloren gegangenen, ledernen Geldkatze vorgehalten. Wütend fragte er sich wie Gott es zulassen könne, dass einer seiner Streiter solch einen Verlust hinnehmen müsse. Jedoch verdrängte er den blasphemischen Gedanken schnell und setzte nun vorsichtiger seinen Weg nach Nürnberg fort.
 
2017. Der Acker liegt an einer alten Handelstrasse. Der Signalton des MDs ist klar und der Leitwert zeigt 90. Vermutlich wie immer ein verzinkter Dosenrest. Sven setzt das Grabmesser an. Als die ersten Silbermünzen nach 1000 Jahren das Tageslicht wieder erblicken ist er völlig überrascht. "Ich glaube wir haben einen Schatz gefunden", stammelt er und zeigt der ungläubigen Suchertruppe die kleinen, silbernen Münzlein. Und es sollten noch viele mehr werden. Insgesamt 121 Stück Haller Heller, Regensburger Pfennige und ein paar dünne Brakteaten verstreut auf einigen Quadratmetern. Die Fundsituation gibt Rätsel auf. Zuerst einige wenige Münzen, dann ein Hort und in 30 cm Entfernung nochmals ein Hort. Doch das Internet löst das Rätsel noch vor Ort. "Hier war eine Geldkatze verloren gegangen, jener frühmittelalterliche Geldbeutel, der mit seinen beiden Geldtaschen an den Gürtel gehängt wurde und bevorzugtes Ziel diebischer Beutelschneider war", recherchiert Jürgen auf seinem iPad. Aber wie kam der Geldbeutel an den Ackerrand? Die in Reihe verstreut liegenden Münzen lassen nur einen Schluss zu, nämlich dass der Verlust bei einem schnelleren Tempo vonstatten gegangen sein muss. Dieses konnte damals nur ein Pferd erreichen. Also folgern wir, dass ein Reiter, in vollem Galopp, rechtwinklig vom Weg abgebogen war. Aber warum ging er des Beutels verlustig? Freiwillig hätte er den Beutel, der einen wertvollen Inhalt enthielt, nicht weggeworfen. Also bleibt nur der Schluss, dass er den Beutel verloren haben muss. Vielleicht stand an dem Ort, wo sich heute ein Acker befindet, ein dichter Wald? Vielleicht riss ein tiefhängender Ast die Geldkatze vom Gürtel des Reiters oder von einem Sattelriemen? Doch warum hat der Verlierer nicht versucht den Beutel wiederzufinden? Aus irgendeinem Grund, vielleicht wegen einer Bedrohung, scheint er von der Suche abgesehen zu haben, denn der Beutel lag ja schließlich heute noch da.
Wie die Internetrecherche weiter erbrachte waren die Münzen alle aus dem elften Jahrhundert. Aus dieser Zeit waren keine kriegerischen Scharmützel in der Gegend bekannt, die einen Reisenden bedroht hätten. Sehr wohl jedoch gab es damals in den dunklen Wäldern raubgierige Gesellen, die gerne die wohlhabenden Kreuzfahrer des ersten Kreuzzuges anno 1095 ihres Gold und Silber beraubten. So entstand in unseren Köpfen nach weiteren Überlegungen und historischen Studien das Bild vom Ritter Gisbert. Ob sich der Vorfall wirklich so zugetragen hat werden wir nie erfahren.
 
 
Das Ding oder die philanthrope Weltverbesserin
 
Zufrieden blickt Ernestine auf die frische Grabung in Nähe des Gipfels. Der steile Aufstieg hat sich gelohnt. Das Ding, das sie gerade dort vergraben hat, verrichtet im Erdreich gut verborgen sein Werk. Niemand wird das Ding jemals entdecken. "Reich hatte Recht", denkt sie und vermeint zu spüren, wie die Gegend durch das Ding bereits geläutert wird. In ihrer Phantasie malt sie sich aus, wie das Ding über die Jahre hinweg Energien sammle und die Welt damit zu einem besseren Platz werden lassen wird. Neid, Habgier und Missgunst werden verschwinden und der alte Traum einer humanistischen Welt verwirklicht werden. Ernestine ist es egal, dass sich die anderen über sie lustig machen. Aber der Humanismus wird kommen und sie ist stolz, ihren Beitrag dafür geleistet zu haben. Müde packt sie den Spaten in den Rucksack und macht sich auf den langen Abstieg.
"Wo ist denn nur diese vermaledeite Hütte?", flucht Andy. "Keine Fundamentsteine, kein Brandhügel, keine Wasserstelle. Nix! Hier gibt es gar nix." Schon seit einigen Stunden durchkämmen wir mit unseren MDen das Plateau vor dem Gipfel des Zunderkopfes. Die alte Karte hat hier einen Hüttenstandort ausgewiesen und auch der Blick auf Google Earth ergab eine vielversprechende ebene Stelle unter dem Gipfel. Aber vor Ort war nichts zu finden, nicht einmal Zivilisationsmüll. Andy ist kurz vor der Resignation und meint: "Einen Versuch mache ich noch. Ein idealer Brotzeitplatz, wo etwas verloren gegangen sein könnte, ist die Mulde dort oben. Die durchsuche ich noch." So tapern wir die 100 Höhenmeter in Gipfelnähe. Ein paar verkrüppelte Latschen klammern sich ans Gestein, die Mulde selbst ist dicht mit kurzhalmigem Gras bewachsen. Andy schwingt den MD und wie auf Kommando ertönt die Mutter aller Signale. "Buntmetall", wundert er sich. Es bedarf keiner Überlegung, das Objekt auszugraben und so kniet Jürgen bereits mit gezücktem Grabemesser auf den Boden, um diesem nach ein paar Augenblicken einen runden, im Durchmesser etwa 15 cm messenden, flachen Brocken zu entreißen. Wie Andys MD nach erneuter Prüfung zeigt, muss sich ein größeres Stück Buntmetall darin befinden. "Könnte Kupfer sein", meldet er "und es steckt in dem Stein."
Wir denken sofort an einen Hot Rock. Ein stark mineralisiertes Stück Urgestein, das mit den Gletschern der Eiszeit hierher transportiert worden war und nun den MD narrt. Mit dem Grabemesser klopft Jürgen ein paar Mal auf den grauen Brocken. Ein Stück splittert ab und feiner Staub bröselt. Die Abbruchstelle präsentiert sich strahlend weiß. Die Geschmacksprobe auf der Zunge bringt es an den Tag. Gips oder Zement.
Jetzt ist die Neugierde erst richtig geweckt. Ein eingegossenes Metallstück. Was mag das bloß sein? Wir beide wissen, dass früher Eisengegenstände, wie z. B. Säbel oder Pistolen in mit Gips gefüllte Kisten gelegt und dann vergraben worden sind. Der Gips verhinderte, dass Wasser das Eisen rosten lässt. Vorsichtig klopft Jürgen weiter auf dem Brocken herum. Ein kunstvoll in sich gewundener, spiralförmig gelegter Kupferdraht taucht auf, filigran um sich selbst gewickelt. Was ist denn das für ein Ding? Keiner von uns hat eine Idee.
Nach einer Diskussion über das Ding, die uns nicht weiter bringt, beschließen wir den Fund in die Internetforen zu stellen und dort bestimmen zu lassen. Aber auch dort herrscht große Ratlosigkeit bezüglich des Dings, wie wir nach einigen Tagen feststellen müssen. Immerhin gibt es einen Hinweis, nämlich dass Menschen früher auf den Berggipfeln größere Metallstücke platzierten, um Blitze von Hütten abzulenken. Aber unser Fund hätte viel zu wenig Metall, um einen solchen Effekt herbeiführen zu können.
 
Doch der Gedanke an eine Art Blitzableiter oder Antenne lässt uns nicht mehr los. Über Tage jagen wir mit verschiedenen Stichwörtern Suchläufe durch das Internet. Plötzlich stoßen wir mit den Begriffen "Kupferwicklung", "eingegossen", "Antenne" und "Berggipfel" auf eine heiße Spur. Diese erwähnt Orgon, eine von Wilhelm Reich (1897 - 1957) angeblich entdeckte Energieform. Mit Hilfe von Orgonsammlern und Orgonstrahlern könne diese, so Reich, nutzbringend eingesetzt werden. Bei der weiterer Internetrecherche stoßen wir auch auf Bauanleitungen. Orgongeräte aus gewendelten Kupferdrähten sollen Energien sammeln und reinigen. Idealerweise platziert an hohen Stellen. Ist unser Ding ein Orgonsammler?
Ja. Das Rätsel um das Ding gelöst. Ein Philanthrop, ein Menschenfreund, der im Verborgenen zum Wohle der Menschheit arbeitet, hat ein Orgongerät, nennen wir das Ding einfach so, auf dem Gipfel platziert. Ob es denn wirklich die negativen Energien reinigt sei dahingestellt. Wissenschaftlich bewiesen ist die Orgon-Theorie nicht. Aber wir denken an Shakespeare, der seinen Hamlet sagen ließ "Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde, als sich unsere Schulweisheit träumen lässt, Horatio."
Sollte nun Unheil über die Gegend rund um den Fundort herein brechen, dann wären wir beiden wohl die Schuldigen, denn wir hatten das schützende Teil ausgegraben und mitgenommen. Bis heute ist allerdings nichts passiert und wir für unseren Teil haben wieder einmal ein spannendes Rätsel gelöst.
 
    
Heim zu Mutti
 
Manuel hält den MD noch ziemlich ungeschickt. Der Profi erkennt den Neuling immer an seiner Schwenktechnik. Der U-Form. Statt parallel die Spule zum Boden zu schwenken hebt er den MD links und rechts außen immer an. In einer U-Form eben. Er hat heute einen MD erstmals in der Hand. "Naja, der lernt's schon noch", wird von den Suchkameraden etwas hochnäsig gestichelt. Doch der Newbie zeigt es den alten Hasen. Nach nicht 'mal zwanzig Minuten schlägt das Anfängerglück zu. Unter vermoderndem Laub- und Moospolstern tauchen die verrosteten Reste einer Maschinenpistole auf. Da staunt der Fachmann und der Laie wundert sich. Das über das iPad konsultierte Internet identifiziert das Kriegsgerät als italienische Beretta M 1938. Wie die hier in das kleinen, alpine Seitental wohl gekommen ist?
 
Rottmeier ist schlecht gelaunt. Was für ein Schwachsinn dem Führer wieder eingefallen ist! Mit 150 Kameraden der Führerreserve soll er als einfacher Unteroffizier einen Hinterhalt gegen die vorrückenden Amerikaner legen. Mit Halbinvaliden einer Genesendenkompanie. Wenn wenigstens die Ausrüstung stimmig wäre. Aber die Truppe wurde lediglich mit der beschlagnahmten Ausrüstung entwaffneter, italienischer Kriegsgefangener ausgerüstet. Carcano-Gewehre, Beretta MPs, Gretchen Panzerfäuste. Aber keine schweren Waffen. "Da können wir gleich Kieselsteine auf die Ami Panzer werfen", murmelt der Feldwebel in seinen seit Wochen ungepflegten Bart. Missmutig schlurft er durch das liebliche Tal, an dessen Hängen er den Hinterhalt aufbauen soll. Links und rechts, an den Flanken, MGs in Stellung bringen, die Amis in das Tal einmarschieren lassen und dann den Sack von den Seiten aus und von hinten zumachen. So lautete der Befehl.
Rottmeier spitzt die Ohren. Der vorneweg laufende, kommandierende Hauptmann Bergmüller unterhält sich leise mit seinem Adjutanten. Einzelne Gesprächsfetzen erreichen auch den Unteroffizier. "Sinnloser Einsatz, Kanonenfutter, nicht mal Fahrzeuge haben wir noch", dringt an sein Ohr. Rottmeier fasst sich ein Herz und beschleunigt den Schritt bis er neben dem Hauptmann läuft. Die beiden kennen sich schon lange. Griechenland, Russland, Jugoslawien. Das schweißt zusammen. Deshalb wundert sich der Hauptmann auch nicht als Rottmeier ihn anspricht. "Karl, genau wie du denken auch ich und die meisten Kameraden hier. Der Ami wird uns überrollen und wir schinden den Goldfasanen mit unserem Blut-Opfer nur ein paar Stunden heraus. Wir zögern das Unvermeidliche lediglich heraus, können es aber nicht aufhalten." Bergmüller sieht Rottmeier nachdenklich an: "Sag 'mal Rotti, rein hypothetisch, wärest du dabei, wenn wir uns vom Acker machen würden? Der Krieg ist in ein paar Tagen eh aus und in dem Gelände hier könnten wir uns bequem verstecken und das Kriegsende ausharren?" Rottmeier glaubt seinen Ohren nicht zu trauen. "Bis auf die fünf Nazis im Dritten Zug haben alle die Schnauze voll", überlegt der Uffz. "Und die können wir ruhigstellen", grinst er den Hauptmann an. Bergmüller nickt. "So machen wir es. Hol' die Zugführer zusammen und schick' ein paar zuverlässige Männer in das nächste Dorf, um dort Zivilklamotten zu holen. Die ziehen wir an und dann hauen wir ab. Der Krieg ist für uns vorbei."
Zurück ins 21. Jahrhundert. So finden wir heutigen Schatzsucher, wenn wir in diesem Gebiet suchen, immer wieder die Reste der damaligen Abrüstungen. Relikte von Feldblusen, Munition, Gasmasken, Stahlhelme und ab und an eine verrostete Waffe. Jeder Fund entbirgt uns einen weiteren, kriegsmüden, namenlosen Soldaten, welcher in ziviler Kleidung einem ungewissen Nachkriegsschicksal entgegengegangen ist.